Auf jeden Topf passt ein Deckel…. [Familie & Bindungsförderung]

Hallo im Jahr 2019

Heute möchte ich mich einem Thema widmen das Viele beschäftigt aber offenbar nur Wenige kümmert. Die Partnerwahl.

Victoria ist meine zweite Frau. Mit der ersten hat es offenbar ja nicht funktioniert. Obwohl ich mit meiner Exfrau auf den ersten Blick mehr gemeinsam habe als mit meiner jetzigen. Scheinbar. Denn in der Realität haben wir uns in unserer Entwicklung mehr behindert als unterstützt. Daher wurde die Beziehung in beiderseitigem Einverständnis beendet. Damals war ich Anfang 30. Es sollten sieben Jahre vergehen bis ich wieder eine Langzeitbeziehung hatte. Eben mit Victoria.

Ich bin privat nicht sehr kontaktfreudig. Ich kann mich zwar auf der Strasse mit dem Nachbarn unterhalten, den Samstag Abend würde ich aber nicht mit ihm verbringen. Ich bewege mich auch heute noch in einem eher kleinen Kreis, den Hobbyspielern. Nicht um Geld oder sowas, nein, wir spielen Brett-, Rollen-, Tabletop-, Kartenspiele und was euch sonst noch so einfällt. Nicht das dieses Hobby wirklich billiger wäre als einmal im Monat zu Pokern. Aber ich hatte zumindest immer was daheim stehen, das ich mir ansehen konnte, wenn am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig war. Frauen sind in dieser Szene eher ein seltener Anblick. Warum kann ich auch nicht sagen. Es gibt Spielerinnen. Etliche sogar. Aber die kommen offenbar nicht ans Licht oder sind nur auf LARPs zu finden. Und trotzdem war bei dieser sehr kleinen Auswahl die Richtige für mich dabei. Unser erster Kontakt war um ihren 18. Geburtstag herum. Ich kannte bereits zwei Ihrer Brüder als Spieler. Der Jüngere hat sie in unser Spiellokal (ein Cafe im 18. Bezirk das wir offenbar erfolgreich ruiniert haben – es existiert nicht mehr) mitgebracht. Sie hat damals bei ihm gewohnt und es war vom 16. Bezirk nicht weit. Ich wohnte damals in Wolkersdorf im Exil und war daher nicht mehr so häufig dort anzutreffen wie früher. An diesem Abend waren genau vier Gäste anwesend. Victoria, ihr Bruder, Battleseb genannt, ein Max und ich. Da sich Battleseb und Max auf dem Spielplan prügelten, es wurde dort übrigens Battletech gespielt, begannen Victoria und ich eine Unterhaltung. Wir können uns beide beim besten Willen nicht mehr an die Gepsrächsthemen erinnern, aber die Frau blieb mir im Gedächtnis. Es sollten fünf Jahre vergehen ehe ich sie wiedersehen konnte. Sie hatte in der Zwischenzeit einen Freund, den ich ihr dringend ausreden musste, und von Diesem auch ein Kind, Benjamin. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Kinder kein Thema für mich. Ich, damals 39 – selbst meine Mutter hatte mit der Idee jemals Oma zu werden abgeschlossen. Das hat sich damals schlagartig geändert. Nach einigen Spieleabenden in Wolkersdorf, mit Battletech, Warhammer RPG von FF und Dungeoneers, ein Kartenspiel, haben wir uns zu diversen Spaziergängen in und um Wolkersdorf und einem Ausflug in den Tiergarten verabredet. Wie die verlaufen sind wurde bereits an anderer Stelle erzählt.

Tatsache ist, wir haben uns durch eine Gemeinsamkeit kennen gelernt, die das Potential hatte, uns langfristig gemeinsame Stunden zu bescheren. Wir spielen auch heute noch gemeinsam an manchen Abenden. Entweder gegeneinander oder auch als Team gegen andere. Dass wir auch in vielen anderen Bereichen einer Partnerschaft gut harmonieren, hat sich erst im Laufe der Zeit heraus kristalisiert. Ich kann aber auch nach über 8 Jahren Beziehung und Zusammenleben keine nachhaltige Entwicklung feststellen die uns von einander entfernt. Obwohl wir einen beträchtlichen Altersunterschied aufweisen (siehe unsere Fotos, der alte Mann bin ich, nicht der Opa). Oder vielleicht gerade deshalb. Wir haben kein Konkurrenzverhalten. Wir sehen Dinge oft unterschiedlich, aber dadurch finden wir auch immer die beste Lösung. Weil es eben nur Sichtweisen sind und keine letzten Weisheiten. Ich denke nicht dass man am Samstag in der Disco den Partner fürs Leben finden kann. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. Aber ehrlich, welche Kriterien legt man denn da an? Als erstes natürlich das Aussehen. Mit einer Schiachperchten will niemand gesehen werden. Außer offenbar meine Frau, der ist das wurscht… Dann kommt oft das erste Statussymbol im Leben eines Mannes: sein Auto. Sowas muss er schon haben, oder? Also ich werde jetzt irgendwann 48 oder auch 748, wer weiß das schon genau, aber ich habe nicht einmal einen Führerschein, geschweige denn ein Auto. Besonders reich bin ich auch nicht, im Gegenteil, ich bin mit einem ordentlichen Schuldenberg in die Beziehung gestartet. Über den haben wir aber noch vor unserem ersten Kuss schon ausführlich gesprochen. Schon Arg, was alles geht, oder? Ich drinke seit ca 30 Jahren keinen Alkohol, also so ein zwei Bier schon. Alle paar Jahre! Ich bin seit ca 10 Jahren Nichtraucher. Mit illegalen Drogen hab ich mir überhaupt nie was angefangen. Im Gegenteil. Was ich damals hatte und auch heute noch immer habe, ist ein solider Job. Ich verdiene zwar keine Millionen, wir kommen aber ganz gut über die Runden. Alles eigentlich eher langweilig, oder? Naja, kommt darauf an wie man sich seine Freizeit so vorstellt. Fallschirmspringen kannst mit mir nicht gehen (hat mir nicht gefallen), auf Sportveranstaltungen geh ich schon lange nicht mehr, Bands habe ich eigentlich alle gesehen die ich sehen wollte,…aber nach Schönbrunn oder ins Museum, da bringst mich jederzeit hin. Trifft sich gut, wir haben Kinder. Auch ein Termin beim Stadtschulrat wurde so einfach in einen Ausflug durch den ersten Bezirk für die Kinder umgewandelt. Stephansdom inklusive.

Was macht mich jetzt also für meine Frau interessant? Ich kann das nur erahnen. Ich halte Bildung für extrem wichtig, nicht zwingend Matura, die hat mit Bildung nix zu tun, nur mit Auswendig lernen, ich bin mit 99%iger Sicherheit am Abend daheim, an jedem Abend. Ich bin mit 100%iger Sicherheit nie betrunken, und erspare ihr somit auch alle blöden Nebenwirkungen. Ich bin meiner Familie gegenüber absolut gewaltfrei! Versteht mich nicht falsch, ich war Berufssoldat, ich weiß den Einsatz von gezielter Gewalt durchaus zu schätzen, aber doch nicht gegenüber meiner Familie! Ich habe ein Hobby. Unterschätzt das nicht, das ist ein ganz wichtiger Ausgleich. Dieses Hobby gefärdet weder mich noch Andere, obwohl es da schon ein paar Spieler gibt…. Und BTW: Fortgehen oder Fernsehen sind KEINE Hobbies.

Noch ein Punkt, auf den mich meine Frau zu Beginn unserer Beziehung aufmerksam gemacht hat. Wir können uns riechen. Nein, nein, im Ernst. Wir empfinden den Körpergeruch des Anderen nicht als unangenehm – selbst dann nicht wenn wir für alle anderen schon stinken. Das hat die Natur schon so eingerichtet. Mit diesem Hintergedanken stellt sich der Geruchsangriff in einem typischen Lokal Samstag Abend plötzlich ganz anders dar. Das Parfüm verdeckt jede Art natürlichen Geruchs und verhindert daher das du deiner Nase folgen kannst. Ich mochte das noch nie und meine Frau legt zum Glück auch absolut keinen Wert darauf sich einzudüfteln. Aber, wie gesagt, bei uns ist es ja kein Problem.

Zum Abschluss noch zwei Weisheiten. Die Erste stammt von meiner Mutter: Der richtige Partner kann nichts falsch machen, der Falsche nichts Richtig.

Die Zweite ist eine Erkenntnis die ich nach meiner ersten Ehe hatte: Ich weiß auch heute noch nicht was ich will, aber ich habe eine ziemlich lange Liste was ich nicht will.

Ich hoffe ich kann euch damit zum Nachdenken anregen.

Dark Priest

4 Kommentare zu „Auf jeden Topf passt ein Deckel…. [Familie & Bindungsförderung]

  1. Das einzige was ich dem hinzufügen will ist, dass wir einander vom Beginn an so angenommen haben wie wir sind. Das wir von Anfang an genau deshalb ganz offen miteinander Umgegangen sind, damit der jeweils andere für sich entscheiden konnte ob er sich darauf einlassen will – oder eben nicht.
    Von da an ging es auf Augenhöhe weiter mit gegenseitigem Respekt. Niemals hatte ich den Gedanken dass du.. mein mit winzigen Figuren spielender Mann … doch irgendwann „erwachsen werden“ müsstest. (Nur weil ich das so oft in Mamirunden hör) Niemals hatte ich die Idee oder den Vorsatz gefasst dich in irgendeiner Weise (um) zu erziehen. Und ich habe auch nicht das Gefühl das du jemals so über mich dachtest.

    in Liebe, deine Frau

    Liken

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