Religionsfreiheit – oder was wir darunter verstehen…

Hallo Leute

Das heutige Thema ist etwas Heikel. Nicht für mich, aber es gibt dann doch den Einen oder Anderen da draußen, der sich persönlich durch diesen Artikel angegriffen fühlen wird. Dazu gleich vorweg: ist mir egal.

Wir erziehen unsere Kinder zu absoluter Religionsfreiheit. In unserem Sinn dieses Wortes. Also völlig frei von Religion. Und es wirkt. Wenn unsere Kinder in den Nachrichten sehen was Menschen im Namen eines Gottes für Schäden anrichten, sagen sie nur: „Die sind verrückt!“. Ja, sind sie. Alle.

Bei der Betrachtung der Geschichte fällt auf, das alle großen Religionen im Namen ihres Gottes furchtbare Gräueltaten begangen haben. Und es bis heute tun. Der Grund, warum das in Europa mit den Katholiken nicht mehr ganz so schlimm ist, liegt in dem, zum Glück, abnehmenden Einfluss der Kirche auf die Machthaber. Man zeigt sich in der Öffentlichkeit mit dem ortsansässigen Bischof oder gar dem Kardinal, hauptsächlich um die entsprechenden Wähler nicht zu verärgern, sonst hat man aber nur mehr wenig am Hut mit der Priesterschaft. Denn über die Jahrhunderte hat das immer nur der Kirche Gewinn gebracht, nicht aber den Herrschenden. Denn der Spruch „halte du sie mir Arm, ich halte sie dir Dumm“ hat den Herrschenden zwar Steuern eingebracht, aber eigentlich verschwindend geringe Summen. Woher auch, einen Nackten kann man nicht ausziehen.

Aber – Bleiben wir doch in Europa. Was kann sich die Kirche denn auf ihre Fahnen schreiben? Da wären einmal die Kreuzzüge. Feldzüge, gefordert durch den Papst, geleistet durch die Bevölkerung, um ein Land von den „Ungläubigen“ zu befreien, von dem die meisten Bewohner Europas (wir reden hier vom 12. Jahrhundert!!!) noch nie gehört haben. Die Ritter, die sich diesem Abenteuer angeschlossen und später zu den verschiedenen Ritterorden zusammengeschlossen haben, Templer, Malteser, Johanniter, der Deutsche Orden, haben die eroberten Länder dann ja auch gut befreit. Hauptsächlich von Wertgegenständen und Kunstschätzen. Das sie diese dann aber nicht, wie erhofft, der Kirche gaben, sondern sich in Europa eine eigene Machtbasis damit aufgebaut haben, führte in Folge zu unserem Freitag den 13. (nicht die Filmserie!!!), dem Aberglauben, aber das ist bitte selbst zu googlen…

Dann hätten wir da die Inquisition. Eine Jagd nach Ketzern, diese Bezeichnung an sich ist schon eine Frechheit, die, vor Allem in Spanien, ein klein wenig übers Ziel hinaus geschossen ist…. Unter hochnotpeinlicher Befragung war einfach nur Folter zu verstehen. Wisst ihr was ein Spanischer Stiefel ist? Googlet das einmal. Ja, so etwas hat die Kirche mit den Menschen gemacht. Begründet war das Ganze übrigens in einem Konflikt zwischen Spanien und Italien. Also ging es wieder um Macht.

Die Hexenverfolgung. Sehr beliebt bis ins 19. Jahrhundert! Dabei war der Überhammer, dass die Hexenjäger gar keine Urteile gefällt haben, schon gar nicht im Namen der Kirche, sondern nur das Verhör geleitet haben. Die Urteilssprechung haben sie den weltlichen Herrschern überlassen. Da das Ergebnis des Verhörs aber natürlich durch Gott herbeigeführt wurde, war es über jeden Fehler erhaben. Sollte sich ein Herrscher also gegen den Willen Gottes, in den Augen des gemeinen (ungebildeten) Volkes allmächtig, auflehnen?

Die jüngeren Auszeichnungen wären der Vertrag mit Nazideutschland oder die absolute Unbeweglichkeit in Punkten wie gleichgeschlechtliche Partnerschaften oder Frauenordination. Und natürlich die Fälle von Kindesmissbrauch, Missbrauch von Ordensschwestern, „Probleme“ in Kinder und Frauenheimen bis hin zum Infantizid (Die Kindersterblichkeitsrate lag in kirchlich geführten irischen Mutter-Kind-Heimen noch vor ein paar Jahrzehnten bei 25 Prozent! Fünf mal so hoch wie in der restlichen irischen Bevölkerung zur gleichen Zeit. Jedes 4. Kind kam nicht mit dem Leben davon und die drei anderen berichten über schreckliche und zutiefst verstörende Zustände.). Ja glaubt denn irgendwer tatsächlich das es die erst seit unserer jüngeren Vergangenheit gibt? Das findet doch unter Garantie schon immer statt, nur hat sich nie wer getraut was zu sagen. Man musste ja gottesfürchtig sein. Man muss Gott fürchten? Das ist die Idee? Nein, danke.

Wenn mir also Leute erzählen, das die Kirche schon so viel Gutes getan hat, stimmt das nicht. Einzelpersonen haben Gutes getan. Die Kirche an Sich ist ein machthungriger Moloch, dessen einziges Ziel die Anhäufung von Macht und Reichtum ist. Sie haben diese Einzeltaten einfach nur für sich vereinnahmt. Also umgekehrt wie bei der FPÖ. Die wollen ja bekanntlich von ihren Einzelfällen nix wissen…

Ganz ehrlich, jeder Spendenaufruf durch die Kirche ist eine bodenlose Sauerei, da der Vatikan über ein ungeheures Vermögen verfügt, die Erhaltung seiner Tempelanlagen aber den jeweiligen Staaten und Gläubigen aufhalst. Allein die österreichischen Bischöfe verfügen über hunderte Millionen Euro Mensalien. https://religion.orf.at/stories/2718020/

Bei uns, im Staate Österreich, ist die Kirche steuerbefreit. Die brauchen also, zum Beispiel, keine Grundsteuer bezahlen. Die Liegenschaften werden aber sehr wohl vermietet oder verpachtet. Natürlich auch Steuerfrei. Und wie kamen sie zu all dem Besitz? Er wurde an sie vererbt. Sterbende alte Menschen wurden von der Kirche in Klöstern usw betreut, der Preis dafür war all ihr weltlicher Besitz. Da kommt über die Jahrhunderte schon einiges zusammen. Quasi Proporz in der Hardcoreversion.

Überhaupt ist dieses Konkordat, so die Bezeichnung dieses Vertrages zwischen dem Staat Österreich und dem Vatikanstaat, ein ausgemachter Blödsinn ohne Vorteil für unser Land. Wisst ihr was der Papst gesagt hat um unsere damalige Regierung zur Unterschrift zu bewegen? “ Ich ernenne den Wiener Erzbischof zum Kardinal, dann müssen sie unterschreiben.“ Und unsere Politiker haben tatsächlich unterschrieben. Nicht nur Steuervorteile brachte es dem Vatikan ein, auch das Recht in den Schulen Religionsunterricht abzuhalten, mit Lehrkräften die sie selbst ausbilden. Sie dürfen sogar reguläre Lehrkräfte, wie VolksschullehrerInnen ausbilden. Welche Werte sollen diese Lehrer unseren Kindern vermitteln? Ich habe zwar noch nichts davon gehört dass es bei uns so schlimm ist wie in Amiland, wo in einigen Schulen tatsächlich die biblische Schöpfungsgeschichte unterrichtet wird(!), aber was noch nicht ist… oder zumindest noch nicht ans Licht kam, mir persönlich reicht schon Sexualkunde a la Teenstar vollkommen (https://derstandard.at/2000098189253/Teenstar-Wenn-Sexfeinde-an-Schulen-Sexualkunde-lehren) und wie es in Klosterschulen zugeht ist auch nur wenig erforscht.
Abgesehen davon dass konfessionelle Privatschulen komplett vom Staat finanziert werden während das für andere konfessionsfreie Privatschulen nicht gilt.

Ich halte es generell für sehr fragwürdig, einer Organisation, die seit Jahrhunderten wissenschaftlichen Fortschritt nicht nur ablehnt und verleumdet, sondern sogar aktiv bekämpft, irgend ein öffentliches Mitspracherecht zu geben. Mir ist der Unterschied zwischen einer Sekte und einer anerkannten Religion nicht klar. Überhaupt nicht. Ich sehe keinen. Auch ist es sehr befremdlich wenn Menschen sich über eine andere Religion, wie den Islam, aufregen, obwohl ihre eigene nicht besser ist. Ganz ehrlich, das Frauenbild der katholischen Kirche ist genauso Rückständig wie das der meisten anderen Religionen. Eine Sache unterscheidet die katholische Kirche aber von den anderen Religionen: sie ist durch Verhandlungen entstanden. Auf der Bischofskonferenz von Nicäa, im 4. Jahrhundert, einberufen durch den oströmischen Kaiser Konstantin, der das Christentum zwar geduldet hat, selbst aber nie konvertierte, wurde entschieden, welche Evangelien dem gemeinen Volk zugänglich gemacht werden sollten und welche nicht. Auf vier hat man sich geeinigt. (Ein Schelm wer denkt, das durch diese Auswahl die Macht von Männern gefestigt werden sollte. In der Antike gab es sehr wohl Priesterinnen, Königinnen usw. ) Annähernd 100 sollen es gewesen sein. Auch wurde schamlos Raub bei den „heidnischen“ Religionen betrieben. Diverse katholische Feste wurden aus heidnischen Festen abgeleitet, was dem Volk den Wechsel erleichtern sollte. Darum findet Weihnachten zur Wintersonnenwende statt. Denn es war nach dem Niedergang der antiken Hochkulturen ein Leichtes der armen Bevölkerung das Himmelreich zu versprechen, wenn man sich nur an die gottgegebene Ordnung hier auf der Erde hält. Damit war jede Art von Revolution gleichbedeutend mit Ketzerei und wurde entsprechend geahndet. Also war das eigentlich eine machtpolitische Entscheidung. Jetzt wirds aber spannend. Genau das wird zum Beispiel Kaiser Nero vorgeworfen. Er gilt in den meisten Geschichtsbüchern als schwacher Kaiser, der unvorstellbare Folter- und Hinrichtungsmethoden befohlen hat. Dabei war die Christenverfolgung eine rein politische Sache. Die Römer haben über die Jahrhunderte immer die Anbetung der heimischen Götter gestattet. Das gab auch nie Probleme. Warum? Weil alle antiken Religionen die Existenz anderer Götter anerkannt haben. Das Christentum tat das aber nicht. Damals schon nicht. Der Kaiser galt als Gott, das Christentum stellte durch den Monotheismus also die kaiserliche Allmacht in Frage. Das konnte der Kaiser unmöglich zulassen. Über die Art und Weise der Verfolgung mag man unterschiedlicher Meinung sein, aber mit Religion hatte das eben nichts zu tun.

Und heute? Im 21. Jahrhundert wird von der Kirche immer noch die Heilbarkeit von Homosexualität gepredigt. Immer noch werden Geschiedene aus diversen religiösen Ritualen ausgeschlossen. Priester, denen diverse Sexualdelikte nachgewiesen werden verschwinden einfach in einem Kloster statt im Gefängnis. Sehr befremdlich ist in diesem Zusammenhang der Vorwurf, das der Prophet Mohammed, der Gründer des Islam, ein Kinderschänder und Homosexueller war. Mag sein, damit hab ich mich nicht beschäftigt. Aber gibt es im neuen Testament nicht die Aussage: “ derjenige, der frei von Sünde ist, werfe den ersten Stein“? Bei den diversen Unterteilungen, wie Zeugen Jehovas, Altkatholiken, diversen Orthodoxen Gruppen usw. wird es nicht besser. In einigen Religionen gehört die Verstümmelung der Genitalien immer noch zum Standardprogramm. Einzig die Evangelischen haben versucht Reformen durchzubringen. Was war das Ergebnis? Ein jahrzehntelanger Religionskrieg über fast ganz Europa mit Verbrechen die erst im 20 Jahrhundert überboten werden sollten.

Dann wäre da auch noch das katholische Oberhaupt. Der Papst. Früher konnte man sich diesen Titel kaufen. Dann gab es eine Zeit in der er durch andere Mächtige ernannt wurde. Im Mittelalter hatte der Papst tatsächliche Macht. Er ernannte ja unter anderem den Kaiser. Per Definition waren dem Kaiser, üblicherweise ein Deutscher, später ein Habsburger, alle Könige und niederen Landesfürsten unterstellt. Das hat in der Praxis natürlich nur sehr begrenzt funktioniert. Die Macht des Papstes war aber Real. Heute wird der Papst gewählt. Und zwar von den Kardinälen. Also Männern, natürlich nur Männern, denn Frauen spielen bei den Katholiken keine Rolle außer zum Zwecke der Vermehrung und der Verrichtung niederer Dienste, die alle selbst Papst werden könnten. Und diese Männer werden natürlich durch Gott geleitet um den Einen aus ihrer Mitte zu finden der den Hirtenstab und den Fischerring tragen soll. Alles noch Überbleibsel der Apostel. Ja, genau. So wird es sein. Oder ist es doch so das die Kardinäle, zumindest einige von ihnen, die wahre Macht ausüben und der Papst in erster Linie kontrollierbar sein muss? Was glaubt ihr denn, wenn da ein wahrer Mann des Glaubens an der Macht wäre und mit den Kinderschändern, Spekulanten und Wegschauern unter der Priesterschaft aufräumen würde? Da hat er dann viel zu tun.

Auch in der Kirche gilt die Aussage des österreichischen Kabarettisten Günther „Gunkl“ Paal: An die Macht kommst du nur, wenn die Leute, die wirklich Macht haben, das zulassen, weil sie dich kontrollieren können. Denn Macht ist wie der Ritt auf einem Stier. Jeder weicht dir aus, aber wo es hingeht entscheidet der Stier.

Offenbar haben religiöse Fanatiker immer ein Problem mit anderen Ansichten. Tatsächlich ist unser Bildungssystem nicht einmal gut genug um solchen Menschen entgegen zu wirken. Und unsere Regierungen unternehmen nichts dagegen. Nur um diese potenziellen Wähler nicht gegen sich aufzubringen. Erst am vergangenen Wochenende haben offenbar verblendete Katholiken aus mehr als 40 Ländern in der Wiener Stadthalle zum gemeinsamen Gebet für den Ferengikanzler außer Dienst aufgerufen. Nicht nur das, ein Australier (!), der eine religiöse Veranstaltung der Katholiken (wir erinnern uns, das sind die mit der Nächstenliebe und so) in Wien quasi als Vorbeter leitet, ruft offen zum heiligen Krieg auf (https://derstandard.at/2000105015101/Prediger-der-fuer-Kurz-betete-will-Europa-vom-Islam-zurueckerobern). Das erscheint mir dann doch sehr inszeniert. Wahrscheinlich um den Blauen bis zur Wahl noch ein paar rechte Stimmen abzunehmen. Denn die Erfahrung zeigt, dass man beim Großteil des blauen Wählervolkes nur die Ausländerkarte spielen muss und man hat Narrenfreiheit (siehe auch das Wahlergebnis mit über 40.000 Vorzugsstimmen für einen Politiker der offen seine Pläne zur aktiven Korruption darlegt!). Welche Vorteile, bitte, haben diese Menschen von einer Politik die nur den Wirtschaftstreibenden Vorteile bringt? Oder ist die Lebensweise meiner Großmutter (Jahrgang 1909) auch heute noch verbreitet? „Wir müssen schauen das es den Herrschaften gut geht“.

Das würde bedeuten, dass wir uns in ca. 1600 Jahren nicht verbessert haben. Gottgegebene Ordnung und so….

Die beste Antwort darauf kam von der Satire-Onlinezeitung „Die Tagespresse“: Massengebet an Kurz – Jesus tritt aus Kirche aus! https://dietagespresse.com/

Nein, unsere Kinder werden nicht religiös erzogen, auch nicht getauft oder ähnliches. Sie werden zur Religionsfreiheit ermutigt.

Frei von Religion

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